Waldbegang mit dem Gemeinderat und Verabschiedung von Forstdirektor Jörg Scham

16.06.2020

Am Dienstag, den 09.06.2020 traf sich der  Gemeinderat mit den Revierförstern Bosch und Molnar und Herr Scham vom Fachbereich Forst vom Landratsamt Sigmaringen zu einem Waldbegang, bei dem auch mehrere interessierte Bürger und Waldbesitzer aus Hettingen und Inneringen daran teilnahmen.

Am Beispiel eines etwa 100-jährigen Fichten-Altholz-Restbestandes im Gewann Oberer Schönbuch konnte gezeigt werden, wie ein Nadelholz-Reinbestand mit den Jahren in einen stabilen Nadel-Laub-Mischwald umgewandelt werden kann.An mehreren Bestandsteilen wurden bereits vor rund 20 Jahren Buchen gepflanzt, die inzwischen zu einem dichten Jungbestand erwachsen sind. Nachträglich wurden hier auch noch Nadelhölzer, meist Douglasien eingebracht.
In dem noch locker stehenden Altholz auf gutem, d.h. tiefgründigem Standort hat sich größtenteils auf natürliche Weise eine Ahorn- und Fichtenverjüngung angesamt, die in die nächste Waldgeneration mit hineinwachsen soll. In den nächsten Jahren sind durch entsprechende Pflegearbeiten in den Jungbeständen die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Baumarten zu sichern.
Die Teilnehmer erlebten bei einer kurzen Vorführung eines derartigen Pflegeeingriffes mit, wie  Forstwirt Paul Miller aus einem vermeintlich grünen „Dschungel“ aus verschiedenen jungen Bäumchen, Sträuchern und Brennnesseln eine ansehnliche Gruppe aus Fichtenpflanzen herauspflegte.

Ganz in der Nähe wurde noch ein Waldstück besichtigt, welches von der Stadt erst im vergangenen Jahr angekauft wurde. Der Waldbestand dort passt sehr gut zum angrenzenden Stadtwald und auch die Bewirtschaftung des Stadtwaldes wird durch entsprechende Überfahrtsmöglichkeiten deutlich erleichtert.

Die aktuelle Borkenkäfer-Problematik wurde am Beispiel einer kahlen Fichte am Wegrand und eines „Käfernestes“, also einer Gruppe von befallenen Käferbäumen in der Nähe veranschaulicht. Aufgrund der warmen  Witterung der letzten beiden Jahre konnten sich die Borkenkäfer leider sehr gut entwickeln und bedrohen nun auch in diesem Jahr wieder die Fichtenbestände. Regelmäßige Kontrollgänge zum Auffinden derartiger Käferbäume sind während der Sommermonate sehr wichtig.
In einem benachbarten Privatwald war ersichtlich, wie sich eine Buchen-Pflanzung aus dem Jahr 2013 unter einem Fichten-Altholz inzwischen entwickelt hat.
Innerhalb des Zaunes sind die Buchen und die zusätzlich auf natürliche Weise angesamten Ahorn-Pflanzen sehr gut gewachsen, während außerhalb des Zaunes die Verjüngung nur spärlich und sehr niedrig vorhanden ist.

Als letztes Waldbild wurde eine Gruppe aus dicken Alt-Buchen auf einem tertiären Schwammriff besichtigt. Diese Baumgruppe wurde als eine von mehreren sog. „Habitatbaumgruppen“ vor Ort markiert und gehört mit den insgesamt rund 44 Hektar ausgewiesenen Waldrefugien im Stadtwald Hettingen zu den stillgelegten Waldflächen, auf denen sich die Natur ungestört entwickeln kann. In dieser Altholzgruppe wurden unlängst zwei Baumriesen vom Sturm komplett entwurzelt. Da diese nun einfach liegen bleiben, kann in den nächsten Jahren und Jahrzehnten der natürliche Abbauprozess beobachtet werden. Für die stillgelegten Waldflächen konnten von der Stadt wertvolle Ökopunkte generiert werden. Das Belassen von Alt- und Totholz als Lebensraum für zahlreiche, oftmals gefährdete Arten trägt maßgeblich zur Sicherung und Stärkung der Biodiversität bei.

Zum Abschluss bedankte sich Bürgermeisterin Dagmar Kuster bei allen Teilnehmern, die trotz des regnerischen Wetters an dem sehr informativen Waldbegang teilgenommen haben, insbesondere auch bei Herrn Scham, der seinen letzten Waldbegang vorbereitet und organisiert hatte. Herr Scham geht im Sommer dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand. Er hatte rund 28 Jahre die Betreuung des Stadtwaldes Hettingen unter sich, die viele Veränderungen mit sich brachten, die er in seinem Rückblick auch kurz aufzeigte. Entsprechend den Corona-Vorgaben musste der obligatorische Handschlag zur Verabschiedung mit einem Ellenbogen-Gruß getauscht werden. Bürgermeisterin Dagmar Kuster überreicht Herrn Scham noch eine Buch für die ruhigen Stunden im Ruhestand.